Wie ich meine Art zu unterrichten komplett veränderte und was das mit Körpersprache zu tun hat

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 Meine ersten Seminare zum Thema Körpersprache eröffnete ich so:

Bitte stellen Sie sich folgende Szenerie vor… Einen richtig schön hergerichteter Raum… Der Boden aus Holzdielen, jede einzelne Ritze erzählt eine Geschichte. Große Fenster, die einen direkt auf den Rhein blicken lassen. Öffnet man diese, hört man manchmal sogar Möwen schreien. Die Tochter einer Freundin sagte einmal, als wir am Rhein spazieren waren: „Ja, wir sind am Meer“. Die Stühle der Teilnehmenden stehen ordentlich im Halbkreis. Auf jedem Stuhl liegt ein Klemmbrett mit einem Stift und einem Goldtaler. Alles ganz akkurat – ich finde das wichtig. Die Flipcharts sind fein säuberlich vorbereitet. Alles perfekt. Ich spiele beschwingte Musik, als die Teilnehmenden langsam eintrudelten.

JETZT ist es soweit, das Seminar soll beginnen. Ich stehe an der Seite „der Bühne“ und als alle verstummen, trete ich mit aufrechtem Gang und stolzer Brust zielstrebig vor die Gruppe und verkünde fast wie eine Priesterin das Seminar für eröffnet. Ich sagte ein zwei Sätze zum Ablauf und stelle mich vor. Als ich den Teilnehmenden Fragen stelle, blicke ich in verstummte Gesichter, niemand antwortete auf meine Fragen. Alle wirken wie erstarrt. Diese Minuten der Stille setzten mich ziemlich unter Druck und ich versuche noch intensiver, noch aufrechter zu stehen, noch deutlicher zu sprechen und mich zu noch besser körpersprachlich zu geben. Was ich dabei aber verloren habe, ist meine Natürlichkeit und den Kontakt zur Gruppe.

Heute beginne ich meine Seminare so: der Raum ist immer noch schön hergerichtet, die Klemmbretter mit Goldtalern liegen immer noch akkurat auf den Stühlen der Teilnehmenden, ich spiele immer noch beschwingte Musik ABER ich sitze jetzt mit übereinandergeschlagenen Beinen, lockeren Schultern auf einem Stuhl vor meinen Teilnehmenden und erzähle Ihnen eine Gesichte, was mir gerade auf dem Weg zum Seminar passiert ist oder welche spannende Begegnung ich hatte. Wenn ich jetzt Fragen stelle bekomme ich auf einmal Antworten und das Schöne dabei ist, ich fühle mich auch viel entspannter und bekommen häufig als Feedback, dass Klienten meine Authentizität und Natürlichkeit schätzen.

Bis hier hin war es ein weiter Weg, denn mir war und ist eine aufrechte Körperhaltung wichtig und es ist auch mein Anspruch meinen Teilnehmenden diese Botschaft mitzugeben. Mit einer aufrechten Haltung fühlt man sich einfach aktiver, sie wirkt selbstsicherer und vieles mehr… Und manchmal kann sie auch Menschen erschrecken.
Manchmal ist eine innere Größe und Entspanntheit genauso wichtig oder vielleicht noch wichtiger und dann braucht es keine großen Gesten im Außen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim inneren Wachsen und Groß werden.